Ich will, dass du bist.
Betritt man die Augustinerkirche in Würzburg, fällt der Blick auf eine goldene Tafel mit der Aufschrift: „Ich will, dass Du bist!“ Dieser Satz greift einen Gedanken des heiligen Augustinus auf.
Dieser Satz hat mich berührt, als ich von der Fußgängerzone der belebten Innenstadt heraustrat in die Stille des Kirchenraumes.
Gott will mich so, wie ich jetzt bin, dachte ich. Er kommt nicht zuerst mit einer Forderung oder einem Auftrag auf mich zu, formuliert keine Erwartung. Er sagt mir, dass ich in seinen Augen gut und wertvoll bin. Er hat mich schließlich so gemacht, ohne dass ich eine Leistung gebracht hätte.
Ich wünsche mir, dass nicht nur diese Kirche in Würzburg ein Ort ist, an dem diese Zusage gilt, sondern jeder Kirchenraum – und mit Raum meine ich mehr als das Gebäude. Mit Kirchenraum bezeichne ich die Versammlungsorte und Begegnungsräume, in denen sich „Kirche“ ereignet: Gemeinschaft der Getauften und aller Menschen guten Willens untereinander in Einheit mit Gott.
Es klingt wie eine Liebeserklärung: Schön, dass Du bist – ich will es so. Und wir wollen doch auch, dass die Menschen, die wir lieben, da sind und leben. Ich will dich so und nicht anders. Ich liebe dich ja deswegen, weil du so bist.
Die Österliche Bußzeit ist dazu da, diese Liebeserklärung wieder neu zu hören und für sich zu entdecken. Zu wissen, dass Gott unentwegt diese Liebeserklärung zu uns sagt. Und gleichzeitig eine Zeit, in der wir wieder entdecken dürfen, dass wir als Geliebte diese Worte auch anderen zusagen dürfen. Liebe empfangen und weitergeben ist Leben im Heiligen Geist.
„Ich will, dass du bist“, sagt Gott zu mir und darf ich zu anderen sagen. Was für ein Geschenk!





